Weiterbildung zur Fachkraft für die pädagogische Arbeit mit sexualisiert übergriffigen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Hybrid- 1 Seminar
- 2 Teilnehmerdaten
- 3 Übersicht
Berufsbegleitende Weiterbildung für Fachkräfte im psychosozialen Bereich, z.B. Kinder- und Jugendhilfe, Beratung und Schule
Sexualisierte Übergriffe durch junge Menschen fordern Fachkräfte heraus. D
iese Weiterbildung gibt Ihnen die fachliche Grundlage, um sicher, klar und wirkungsvoll zu handeln, ob in einer institutionellen Anstellung oder in einer Selbständigkeit.
Wenn Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene sexuell übergriffig werden, brauchen Fachkräfte mehr als guten Willen. Sie brauchen Sicherheit in der fachlichen Einordnung, eine klare betroffenen-sensible Haltung und die Fähigkeit, direkt mit den übergriffigen jungen Menschen zu arbeiten, ohne dabei Schutz, Verantwortung und Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.
Die Weiterbildung qualifiziert für die konkrete pädagogische Arbeit mit jungen Menschen, die sexualisiert übergriffig oder grenzverletzend auffällig geworden sind. Im Zentrum stehen: fachliche Einordnung, tragfähige Arbeitsbeziehungen, deliktorientiertes Arbeiten, Rückfallprophylaxe und die Förderung einer verantwortungsvollen, positiv gestaltbaren Sexualität.
Die Weiterbildung ist praxisnah und berufsbegleitend konzipiert. Die Inhalte werden prozessorientiert vermittelt und an die Gruppe, aktuelle Fachdiskurse und konkrete Praxiserfordernisse angepasst.
Zielgruppe
Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte im psychosozialen Bereich, u.a.:
• Kinder- und Jugendhilfe und Hilfen zur Erziehung
• Schule und Schulsozialarbeit
• Beratung, auch in freier Praxis oder Selbständigkeit
• angrenzende pädagogische und psychosoziale Arbeitsfelder
Zugänge aus anderen Berufsfeldern sind nach Absprache möglich.
Die Weiterbildung qualifiziert für die Arbeit mit jungen Menschen, die sexualisiert grenzverletzend oder übergriffig auffällig geworden sind:
• erstmalig oder wiederholt übergriffig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene zwischen etwa 12 und 21 Jahren
• Übergriffe durch ein Kind auf ein anderes Kind, mit Blick auf entwicklungsbezogene Einordnung, Eltern- und Bezugspersonenarbeit und pädagogisch angemessene Interventionen
Abschluss
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat als Fachkraft für die pädagogische Arbeit mit sexualisiert übergriffigen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Der Titel markiert eine pädagogische Zusatzqualifikation. Die Weiterbildung ist keine Therapieausbildung und kein Manualtraining, sondern qualifiziert für die konkrete pädagogische Arbeit in Einzel- und Gruppensettings, in Hilfeprozessen und längerfristigen Begleitverläufen.
Ziel der Weiterbildung
Die Weiterbildung vermittelt ein fundiertes fachliches Profil für die Arbeit mit sexualisiert übergriffigen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ambulanten, teilstationären, stationären und schulischen Kontexten. Teilnehmende lernen, sexualisierte Übergriffe differenziert einzuordnen, fachlich angemessen zu intervenieren, Verantwortung einzufordern und Betroffene konsequent mitzudenken.
Institutionelle, rechtliche und kooperative Rahmenbedingungen sind fester Bestandteil. Die Weiterbildung stärkt damit die Handlungssicherheit in einzelnen Fällen und die Fähigkeit, Schutz, Fachlichkeit und institutionelle Verantwortung zusammenzuführen.
Inhalte
Die aufgeführten Themen sind eine Auswahl. Inhalte und Zugänge werden an die Gruppe und ihre Praxisfelder angepasst und bei Bedarf durch aktuelle Fälle, neue fachliche Entwicklungen und Gastperspektiven erweitert.
Modul 1:
Grundlagen und rechtliche Einordnung
Dieses Modul legt das fachliche Fundament. Es schafft Klarheit über Begriffe, Einordnungen und den rechtlichen Rahmen, der die pädagogische Arbeit umgibt.
• Kindliche Sexualität, sexuelle Entwicklung und Jugendsexualität
• Abgrenzung von Grenzverletzung, Übergriff und sexualisierter Gewalt
• Entwicklungspsychologische Perspektiven auf übergriffiges Verhalten
• Strafrechtliche Grundlagen und Jugendstrafrecht
Modul 2:
Verstehen und Einordnen
Hier geht es um die konkreten Dynamiken, die sexualisierte Gewalt in Peerkontexten erzeugt, und um die professionelle Haltung, die Fachkräfte in der Arbeit mit übergriffigen jungen Menschen brauchen.
• Dynamiken sexualisierter Gewalt in Peerkontexten und Familien, einschließlich Übergriffen unter Geschwistern
• Folgen für Familie, Institution und Hilfesystem
• Professionelle Haltung, Selbstreflexion und Positionierung
• Beziehungsarbeit mit sexualisiert übergriffigen jungen Menschen
• Umgang mit Scham, Bagatellisierung, Abwehr und Ambivalenz
Modul 3:
Methoden und konkretes Handeln
Hier wird konkret gearbeitet: an Sprache, Methoden und der pädagogischen Planung für die direkte Arbeit mit übergriffigen jungen Menschen.
• Deliktbearbeitung und Verantwortungsübernahme
• Konsensaushandlung und Förderung konsensueller Sexualität
• Rückfallprophylaxe und Schutzvereinbarungen
• Pädagogische Prozessplanung und Methoden der Arbeit mit übergriffigen jungen Menschen
Modul 4:
Betroffenen-Perspektive, Kooperation und Institution
Das abschließende Modul richtet den Blick auf die Menschen, die von Übergriffen betroffen sind, und auf die institutionellen und kooperativen Rahmenbedingungen, in denen pädagogische Arbeit stattfindet.
• Betroffenen-sensibles Arbeiten und Auseinandersetzung mit Betroffenenempathie
• Kooperation mit Jugendhilfe, Schule und Justiz sowie institutionelle Fallsteuerung
• Abgrenzung pädagogischer Arbeit zu Therapie und Begutachtung
Gastperspektiven
Gastreferent:innen bereichern die Weiterbildung mit zusätzlicher fachlicher Tiefe. Je nach Durchgang kommen Perspektiven aus Strafrecht, Kinderschutz, Beratung von Betroffenen und der direkten Praxis mit übergriffigen jungen Menschen. Auch die Perspektive einer betroffenen Person kann Teil der Weiterbildung sein.
Referent
Die Weiterbildung wird von Carsten Müller durchgeführt und durch wechselnde Gastreferent:innen ergänzt.
Didaktik und Arbeitsweise
Die Weiterbildung ist berufsbegleitend und hybrid konzipiert: Präsenzmodule werden durch Online-Einheiten und selbstorganisierte Lerngruppenarbeit ergänzt.
Die Inhalte werden durch Vorträge, Gruppenarbeit, Fallarbeit, Rollenspiele und Reflexionsübungen vermittelt. Beispiele und Zugänge beziehen sich immer auf die konkreten Arbeitsbereiche der Teilnehmenden.
Aufbau und Umfang
Die Weiterbildung umfasst:
• 3 Präsenzmodule à 4 Tage (werktags)
• 2 Online-Live-Einheiten à 3 Stunden
• 1 Online-Prüfungsmodul à 3 Stunden
• ca. 10 bis 15 Stunden selbstorganisierte Lerngruppenarbeit zwischen den Modulen
Die Online-Einheiten dienen der Vertiefung und Fallarbeit. Die konkrete Modulstruktur kann je nach Durchgang angepasst werden.
Lerngruppen
Zwischen den Modulen arbeiten die Teilnehmenden in festen Lerngruppen. Dort werden Fachtexte, Praxisfälle und Transferaufträge eigenständig vertieft und in die eigene Praxis übersetzt.
Prüfung
Die Weiterbildung schließt mit einer praxisnahen Abschlussprüfung ab. Im Online-Prüfungsmodul wird ein Fall vorgestellt. Auf dieser Grundlage planen die Teilnehmenden in 90 Minuten eine pädagogische Arbeit mit fünf aufeinander aufbauenden Treffen: fachliche Einordnung, Ziele, deliktorientierte Schwerpunkte, Verantwortungsübernahme und präventive Zukunftsperspektiven.
Veranstaltungsort
Die Präsenzmodule finden in der Praxis für Sexualität in Duisburg statt. Dank der zentralen Lage in NRW ist Duisburg gut mit dem Auto sowie mit Bus und Bahn erreichbar.
Teilnahmegebühr
• Teilnahmegebühr: 3.450 €
• Absolvent:innen einer Weiterbildung der Praxis für Sexualität erhalten 10% Rabatt.
• Ratenzahlung ist nach Absprache möglich.
• Die Teilnahmegebühr kann häufig ganz oder teilweise über das Fortbildungsbudget des Arbeitgebers finanziert werden.
Termine und Zeiten
Präsenzmodule (werktags, 3 Tage)
• Tag 1: 10:00 – 18:00 Uhr
• Tag 2: 09:30 – 18:00 Uhr
• Tag 3: 09:30 – 16:00 Uhr
Online-Einheiten und Prüfungsmodul
• 09:30 – 12:30 Uhr
Durchgang 2027/2028
• Modul 1: Mo.-Mi. 4.-6. Oktober 2027
• Online-Einheit 1: Mi. 3. November 2027
• Modul 2: Mo.-Mi. 24.-26. Januar 2028
• Online-Einheit 2: Do. 17. Februar 2028
• Modul 3: Mo.-Mi. 20.-22. März 2028
• Modul 4: Di.-Do. 25.-27. April 2028
• Online-Prüfungsmodul: Do. 1. Juni 2028
04.10.2027 10:00 - 06.10.2027 16:00
03.11.2027 09:30 - 12:30
24.01.2028 10:00 - 26.01.2028 16:00
17.02.2028 09:30 - 12:30
20.03.2028 10:00 - 22.03.2028 16:00
25.04.2028 10:00 - 27.04.2028 12:30
01.06.2028 09:30 - 12:30